Alto contrasto
Angelika Wiedmer erkennt früh, wo Verantwortung gebraucht wird, und übernimmt sie. In Mölten verwurzelt, im Handwerk verankert und über Gemeindegrenzen hinaus aktiv, verbindet sie unternehmerische Realität mit öffentlichem Engagement. Ihr Arbeiten folgt einem klaren Ziel: Strukturen schaffen, die Menschen und Betrieb tragen.
Was ist für Sie als Unternehmerin entscheidend?
Angelika Wiedmer: Unternehmerisch zu arbeiten bedeutet für mich, die wirtschaftlichen Entwicklungen zu beobachten, Verantwortung bewusst zu übernehmen und Entscheidungen zu treffen. Es braucht Klarheit in den Abläufen und Verlässlichkeit im täglichen Tun.
Wie sieht Ihre Rolle im Betrieb konkret aus?
Ich verantworte zusammen mit meinem Mann Ulrich den organisatorischen Teil des Tiefbaus, insbesondere den Bereich der öffentlichen Aufträge mit hohem bürokratischem Anspruch und die Buchhaltung. Gleichzeitig bin ich Ansprechperson für Personalthemen und das Qualitätsmanagement.
Worin liegt Ihre besondere Stärke?
Ich bin sehr hartnäckig, konsequent und habe ein Gespür, wenn sich Spannungen aufbauen. Diese Eigenschaften helfen mir, Themen frühzeitig anzusprechen und Lösungen zu finden, bevor sich Probleme verfestigen.
Wie erleben Sie Ihre Rolle als Frau in einem Männerbetrieb?
Ich fühle mich sehr wohl und wertgeschätzt. Die Mitarbeitenden begegnen mir als Teil der Führung. Ausgewogenheit der Geschlechter tut Teams gut, weil unterschiedliche Sichtweisen zu besseren Entscheidungen führen.
Wie verstehen Sie Führung im Alltag?
Führung bedeutet für mich, Struktur zu geben und gleichzeitig Raum für Austausch zu lassen. Klare Zuständigkeiten schaffen Sicherheit und Gespräche Vertrauen. Gerade in einem Familienbetrieb braucht es beides, sonst vermischen sich die Ebenen zu stark. Warum bleibt Lernen für Sie zentral? Die Anforderungen verändern sich laufend. Ständige Weiterbildung und meine Erfahrungen aus Verwaltung, Politik und Wirtschaft greifen heute ineinander. Dieses Zusammenspiel hilft mir, komplexe Situationen besser einzuordnen und tragfähige Lösungen zu entwickeln.
Welche Kraft hat das Handwerk in der Zukunft?
Das Handwerk wird an Bedeutung gewinnen. Es braucht technische Kompetenz, Organisationsfähigkeit und Menschen, die Verantwortung übernehmen wollen. Diese Arbeit verlangt Denken und Können. Sie bietet Perspektiven für Frauen und Männer gleichermaßen.
Was motiviert Sie bei Ihrer Arbeit im lvh und bei Garfidi?
Im Wirtschaftsverband Handwerk und Dienstleister lvh arbeite ich im Vorstand und im Landesausschuss der Frauen im Handwerk daran, Frauen in den Betrieben zu stärken und Netzwerke sichtbar zu machen. Als Präsidentin von Garfidi gewährleisten wir Unternehmen bei Investitionen und Finanzierungen einen besseren Zugang zu Krediten.
Was raten Sie Frauen in der Wirtschaft?
Nehmen Sie die eigenen Fähigkeiten ernst, trauen Sie sich, Verantwortung zu übernehmen, auch wenn der Weg nicht immer geradlinig verläuft.
Angelika Wiedmer wurde 1968 in Mölten geboren. Nach der Ausbildung zur medizinisch-technischen Laborassistentin arbeitete sie mehrere Jahre in Bozen. Der Wechsel in die Verwaltung ihrer Heimatgemeinde führte sie in die Politik: von 2010 bis 2020 war sie Bürgermeisterin von Mölten. Seit 2019 ist sie im Familienunternehmen Perkmann Tiefbau GmbH tätig. Beide Söhne arbeiten mit den Eltern im Betrieb. Angelika Wiedmer ist Präsidentin von Garfidi, lvh-Vizepräsidentin und aktiv im Landesausschuss der Frauen im Handwerk tätig.