Alto contrasto
Die industrielle Produktion bildet das Rückgrat der europäischen Wirtschaft, steht jedoch gleichzeitig vor erheblichen ökologischen Herausforderungen wie Umweltverschmutzung und dem Klimawandel. Die damit verbundenen Auswirkungen machen den dringenden Handlungsbedarf einer systematischen Transformation in Richtung nachhaltiger Produktionsweisen deutlich. Um dem entgegenzuwirken, hat sich die Kreislaufwirtschaft als vielversprechendes Konzept etabliert, um Ressourceneffizienz zu steigern, Abfall zu minimieren und den Verbrauch endlicher Rohstoffe zu reduzieren. Anstelle des herkömmlichen „Take-Make-Dispose“-Prinzips, das zu einer linearen Nutzung von Ressourcen führt, zielt Kreislaufwirtschaft darauf ab, Materialkreisläufe zu schließen und die Umweltbelastung nachhaltig zu senken. Rahmenkonzepte wie die 9R-Strategie bieten hierfür einen strukturierten Ansatz, der den gesamten Produktlebenszyklus berücksichtigt und darauf ausgerichtet ist, Materialverluste zu vermeiden sowie wirtschaftliche Potenziale auszuschöpfen.
Der Umsetzungsgrad von Kreislaufwirtschaft variiert dabei von Region zu Region und von Branche zu Branche, abhängig von verschiedenen Faktoren wie regulatorischen Rahmenbedingungen, wirtschaftlichen Strukturen oder sektorspezifischen Herausforderungen. Um einen Überblick über die Umsetzung in Südtirol zu erhalten und Best-Practice Beispiele zu identifizieren, wurde eine Erhebung mit 17 lokalen Unternehmen durchgeführt. Ziel der Erhebung war vor allem einen Überblick über aktuelle Projekte und mögliche Potenziale der Kreislaufwirtschaft in den heimischen Betrieben zu analysieren.
Relevanz und Umsetzung von Kreislaufwirtschaft
Die Erhebung hat dabei gezeigt, dass die Themen Nachhaltigkeit und Kreislaufwirtschaft für alle befragten Unternehmen von hoher Relevanz sind. Dies zeigt sich darin, dass die Mehrheit bereits eine Nachhaltigkeitsstrategie im Unternehmen verfolgt, wobei nur ein Teil davon regelmäßig Nachhaltigkeitsberichte erstellt. Dennoch besteht Einigkeit darüber, dass die Kreislaufwirtschaft künftig eine entscheidende Rolle spielen wird, und viele Unternehmen planen, ihr Engagement in diesem Bereich auszubauen.
Die 9R-Strategien werden von den Unternehmen unterschiedlich gewichtet: Am höchsten priorisiert werden die Strategien Wiederverwerten und Reduzieren, gefolgt von Wiederverwenden, Umdenken, Reparieren, Wiederaufbereiten und Energiegewinnung. Weniger relevant erscheinen die Strategien Umfunktionieren und Ablehnen. Entsprechend ihrer Bedeutung werden Wiederverwerten, Reduzieren, Wiederverwenden und Umdenken bereits von einem Großteil der Unternehmen umgesetzt, während Wiederaufbereiten, Ablehnen, Aufarbeiten und Umfunktionieren bisher nur eine geringe Verbreitung finden.
Abbildung: Bedeutung der einzelnen R-Strategien in den Unternehmen.
Des Weiteren erfassen Unternehmen verschiedene Kennzahlen, um ihre Fortschritte zu messen. Der Fokus liegt dabei auf der Überwachung des Abfallaufkommens und des Ressourcenverbrauchs. Darüber hinaus werden von fast der Hälfte der Unternehmen weitere Kennzahlen wie Trennbarkeit, Wiederverwendbarkeit und Recyclingquote berücksichtigt. Diese Ergebnisse unterstreichen die Relevanz der 9R-Strategien in der betrieblichen Praxis, wie sie durch die entsprechenden Messgrößen reflektiert wird.
Best-Practices
Viele erfolgreiche Ansätze zur Umsetzung der Kreislaufwirtschaft finden bereits auf der Unternehmensebene (Mikro-Ebene) statt. Im Folgenden werden einige Best Practices vorgestellt, die in Südtirols Unternehmen beobachtet wurden:
Fazit
Abschließend lässt sich festhalten, dass die Kreislaufwirtschaft ein vielversprechender Ansatz ist, der nicht nur zur Schonung von Ressourcen, sondern auch zur Stärkung der Wirtschaft beiträgt. Durch die kontinuierliche Weiterentwicklung und den Austausch von Best Practices können Unternehmen in Südtirol ihre Prozesse nachhaltig verbessern und einen wichtigen Beitrag zum Umweltschutz leisten. Die erfolgreiche Umsetzung von Kreislaufwirtschaft hängt maßgeblich vom Engagement aller Beteiligten ab – von der Führungsebene bis zu den einzelnen Mitarbeitern. Die Ergebnisse zeigen, dass viele Strategien zur Kreislaufwirtschaft branchenübergreifend anwendbar sind, sodass Unternehmen voneinander lernen und erfolgreiche Ansätze replizieren können. Es zeigt sich, dass auch kleinere Maßnahmen in ihrer Gesamtheit bedeutende Verbesserungen erzielen können, was die Wichtigkeit kontinuierlicher, schrittweiser Veränderungen unterstreicht. Besonders jedoch die Förderung der branchenübergreifenden Zusammenarbeit, etwa durch industrielle Symbiose, eröffnet zusätzliche Potenziale zur Optimierung von Ressourcennutzung und Abfallreduzierung.
MSc. Johanna Kargruber, Prof. Erwin Rauch, Sustainable Manufacturing Lab, Fakultät für Ingenieurwesen, Freie Universität Bozen
Aktueller Stand und Best Practices